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15.02. 2017 Eine News der Einrichtung: CWW Paderborn e. V.

Politiker besuchen Caritas Werkstätten und diskutieren mit Werkstattrat

Mit dem Bundesteilhabegesetz sollen mehr Möglichkeiten und eine größere Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen geschaffen werden. Es wurde am 1. Dezember 2016 vom Bundestag verabschiedet und wird nun schrittweise umgesetzt. Um mit Menschen mit Behinderung darüber zu diskutieren, haben nun die Bundestagsabgeordneten Burkhard Blienert (SPD) und Dr. Carsten Linnemann (CDU) die Caritas Werkstätten im Erzbistum Paderborn besucht. Sie folgten einer Einladung der Werkstatträte und des Eltern- und Betreuerbeirats.

Bei ihrem Besuch besichtigten die Politiker eine Montagegruppe und den Sägeraum im Betrieb am Merschweg. Dirk Struk und Arnim Meyer, Mitglieder des Werkstattrates Paderborn, führten die Gäste durch die Werkstatt und stellten die einzelnen Abteilungen vor. In der Diskussionsrunde betonten Dr. Carsten Linnemann und Burkhard Blienert dass das neue Gesetz darauf abziele, die Mitwirkung von Menschen mit Behinderung zu stärken. Es sei eine Entwicklung vom Fürsorgeprinzip zur Teilhabe. So können beispielsweise nun Beschäftigte einer Werkstatt bis zu 25.000 Euro Vermögen für die Lebensführung und die Alterssicherung ansparen. Diese Regelung gelte allerdings nicht für Personen die Grundsicherung erhalten.

Auch die Stärkung der Rechte des Werkstattrates ist im Bundesteilhabegesetz verankert. Mehr Mitentscheidung und Demokratie bedeuten auch mehr Verantwortung. Damit erhöht sich der Stellenwert des Werkstattrats. Erstmals ist es nun möglich, strittige Punkte über das Arbeitsgericht zu klären. Burkhard Blienert betonte, dass er den Eindruck habe, dass "der Werkstattrat der Caritas Werkstätten für die zukünftigen Entwicklungen bereits jetzt schon professionell aufgestellt ist". Er zeigte sich beeindruckt vom selbstbewussten Auftreten der Werkstattbeschäftigten, auch in politischen Fragen.

Neben den positiven Aspekten wurden auch die Sorgen und Bedenken der Mitglieder des Werkstattrates offen thematisiert. "Die Befürchtung Wirtschaftlichkeitsgedanken werden zu Lasten des Wunsch- und Wahlrechts getroffen ist unbegründet", so Dr. Carsten Linnemann. "Jeder soll im Rahmen der Angemessenheit und Zumutbarkeit entscheiden können, wo er arbeitet." Dass das neue Gesetz von vielen Seiten hinterfragt wird, berichtete Dr. Carsten Linnemann. "Ich habe selten so viele kritische Rückmeldungen zu einem Gesetz erlebt. Täglich gehen E-Mails zu diesem Thema ein. Das Bundesteilhabegesetz ist ein Gesetz, das lebt. Daher ist es spannend für mich, die konkreten Kritikpunkte mit nach Berlin zu nehmen und zu diskutieren."

Auch die Rolle der Werkstätten wurde diskutiert. Laut dem neuen Gesetz können zukünftig auch andere, nicht anerkannte Einrichtungen, beruflichen Teilhabe für Menschen mit Behinderung anbieten. Klaus-Heiner Kaufmann und Eva Kremliczek, Vorsitzende des Elternbeirates Paderborn, betonten, dass dies jedoch nicht auf Kosten der Qualität geschehen dürfe. Das System Werkstatt für Menschen mit Behinderung würde ihrer Meinung nach weiter Bestand haben.

Zur Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung äußerten sich Dirk Struk und Ivonne Mitschke vom Werkstattrat mehr als deutlich: "Wir wollen keine Randgruppe sein. Wir sind ein Teil der Gesellschaft und wollen auch so wahrgenommen werden!"