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03.08. 2017 Eine News der Einrichtung: CWW Paderborn e. V.

Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund

Hildegard von Bingen soll diesen Satz gesagt haben. Sie war neben Mystikerin und Heilerin eine gute Beobachterin der Menschen. Oder vielleicht war sie eben wegen ihrer Beobachtungen und ihrer Sensibilität eine Mystikerin und Heilerin.

Dieser Satz bewog mich, mich theologisch und spirituell mit dem Verhältnis Mensch - Tier/Hund auseinander zu setzen. Als katholische Seelsorgerin in der Behindertenhilfe nehme ich die vielen Bereiche wahr, in denen tiergestützt gearbeitet wird, sei es der Schulhund oder das therapeutische Reiten. Ich beobachte, dass Bewohner Meerschweinchen oder Kaninchen halten und Beschäftigte zuhause Hunde, Katzen, Vögel und andere Kleintiere versorgen. Immer wieder wird mir stolz ein Handyphoto der Tiere gezeigt, die für ihre Besitzer eine hohe Bedeutung haben. Immer mehr drängte sich die Frage auf, ob nicht auch die Seelsorge von der tiergestützten Arbeit profitieren kann. So wurde der Titelsatz zum Fundament meiner Überlegungen.

Und dann kam die Seelsorgerin auf den Hund! Seit 1 ½ Jahren zählt nun Emma zum Seelsorgeteam im CWW. Wir beide haben zusammen beim "Institut für soziales Lernen mit Tieren" in der Wedemark unsere Ausbildung gemacht: Frauchen hat gelernt und Emma hat die Vorträge mit Bravour verschlafen und sich auf die Tobepausen mit den anderen Hunden gefreut.

Jetzt gehen wir zusammen in den Heilpädagogischen Kindergarten St. Hildegard, in die Hermann Schmidt Schule und die Wohnhäuser im CWW. Selbst zum Demenzgottesdienst in St. Bruno kommt Emma gern mit und liegt entspannt auf ihrer Decke.

Die Menschen reagieren recht unterschiedlich: während manche richtige "Hundeflüsterer" sind und intuitiv mit Emma umgehen, schauen andere lieber von fern zu, Aufmerksamkeit und Interesse weckt Emma aber immer. In Kindergarten sind alle sehr konzentriert bei der Sache, wenn ich anhand von Emma erzähle, wie lieb Gott uns alle hat und wie er für uns sorgt. Wir lernen, dass alle etwas unterschiedlich sind, mit oder ohne Fell, mit zwei oder vier Beinen, aber doch immer Geschöpfe Gottes. Emma bringt in ihrer Tasche Material und sorgt allein durch ihre Anwesenheit dafür, dass die Runde ruhig und stressfreier verläuft.

Emma ist eine wahre Bereicherung in der Verkündigung. Selbst ohne Worte macht sie einiges deutlich. Denn wenn Seelsorger versuchen, einen lebendigen Glauben zu praktizieren und ihn den Gläubigen als lebendig nahe zu bringen, dann geht das am besten zusammen mit Tieren. Daran, wie wir mit der Schöpfung umgehen, daran werden auch die Authentizität und die Wahrhaftigkeit der Worte gemessen, die wir so gerne verwenden. Wir kommen um die Tiere nicht herum: sei es als politischer Aufruf um tierquälerische Zucht oder Haltung in der Fleischindustrie zu verändern, sei es als Wertschätzung Gottes Schöpfung an sich.